Hybridlernen, Kohortenbildung, digitales Klassenzimmer. Um diese Themen und die Frage, wie gut die Grund- und Oberschule Bispingen mit ihren Konzepten in der Corona-Krise aufgestellt ist, drehte sich Anfang Dezember ein Erfahrungsaustausch zwischen Eltern, Lehrkräften und Schulleitung der GOBS sowie Vertretern der lokalen Presse.


Die wichtigste Erkenntnis nach dem sehr informativen und kurzweiligen Gespräch: Die Schule hat mit ihrem Konzept der Flexibilität von Anfang an auf das richtige Pferd gesetzt. Jan Düngelhoef, Klassenlehrer eines 5. Jahrgangs, erntete mit seinem Resümee bestätigendes Kopfnicken der Runde: „Einheitliche Maßnahmen sind an unserer Schule weder möglich noch nötig. Vielmehr müssen wir Lehrkräfte flexibel bleiben, um schnell und angemessen auf neue Situationen zu reagieren.“  So hat der junge Pädagoge, als er mit seiner Klasse zwei Wochen in Quarantäne verbringen musste, für seine Schülerinnen und Schüler einen Ampel-Stundenplan eingeführt. In den „roten“ Stunden mussten die Schüler eigenständig lernen, in den „gelben“ Stunden konnten sie im virtuellen Klassenzimmer Fragen an ihre Lehrkräfte stellen und in den „grünen“ Stunden war virtuelle Anwesenheitspflicht für alle Kinder. Möglich macht dies die Videokonferenzfunktion in dem schulinternen Intranet IServ.


Jan Düngelhof wies darauf hin, dass anfangs technische Probleme gelöst werden mussten, zum Beispiel mit der Einbindung verschiedener Endgeräte und Systeme, wie Android- und Apple-Geräte. Das habe ein Wochenende in Anspruch genommen. Die Aufgaben für die Schülerschaft seien dann in enger Absprache mit den Fachlehrern als Wochenplan konzipiert und verteilt worden. Bis zur Wochenmitte gelang es dann, die Schülerschaft an die Teilselbstständigkeit zu gewöhnen, sowie die Regeln für den Online-Unterricht zu klären und einzuüben.


Chemielehrer Düngelhoef betonte, dass seine Kolleginnen und Kollegen aus dem ersten Lockdown viel gelernt hätten und die Organisation im zweiten Lockdown nun deutlich besser funktioniert habe. „Der erste Lockdown war unverbindlicher für die Schülerinnen und Schüler. Das war diesmal anders. Wir haben jetzt strukturierter und verbindlicher Lerninhalte vermitteln können“.


Susan Hesebeck, Mutter zweier Oberschülerinnen an der GOBS, bestätigte Düngelhoefs Einschätzung: „Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich die Lehrkräfte in Bispingen so reinhängen. Dank der guten Planung haben meine Töchter das Homeschooling selbstständig organisiert und insgesamt gut gemeistert.“ Das sei wichtig gewesen, zeigte sich die Berufstätige erleichtert, weil sie so ihren eigenen Job weiter gut ausüben konnte. Gelitten hätten die Mädchen in den zwei Wochen unter den fehlenden sozialen Kontakten mit ihren Freundinnen und dem Verzicht auf ihre Hobbys. „Besonders für mein jüngeres „Draußen-Kind“, das zwei Wochen sein Pony nicht versorgen und reiten konnte, war es eine sehr harte Zeit,“ fasst Susan Hesebeck die Erfahrungen der letzten Wochen zusammen. Um dann hinzuzufügen: „Insgesamt bin ich sehr stolz auf meine Kinder.“


Die Oberschülerinnen und Oberschüler wurden schon vor der Corona-Krise an die digitalen Medien herangeführt, erklärte Schulleiterin Iris Wagner. „Technisch sind wir mittlerweile auf einem guten Stand.“ Als Beispiel nannte die Befürworterin des digitalen Lernens zwei Medienkoffer mit insgesamt 45 IPads, die seit längerem schon im Präsenzunterricht eingesetzt würden. Zudem wurden mit Mitteln aus dem Sonderprogramm für mobile Endgeräte in Coronazeiten kürzlich weitere 41 IPads angeschafft, die während des zweiten Lockdowns an viele Sekundarschülerinnen und -schüler verliehen werden konnten.


Einen anderen Weg als Kollege Düngelhoef beschritt Ann Kristin Dedert. Sie setzte, als die Klasse im Szenario B geteilt wurde, auf die virtuelle Pinnwand „Padlet“. Mit dem Tool, das sie bereits im ersten Lockdown eingeführt habe, werde der Stundenplan virtuell abgebildet, erklärte die Englischlehrerin. Ergänzend zu den schriftlichen Aufgaben können Sprachnachrichten an die Schüler gesendet werden, Vokabeln abgefragt und Erklärvideos verlinkt werden. Im Videochat habe man auch ein Buch gemeinsam lesen können. „Meine Klasse ist zum großen Teil selbstständiger geworden“, freut sich die junge Pädagogin und bilanzierte, dass die Ausnahmesituation sie mit ihren Schülerinnen und Schülern noch näher zusammengebracht habe. So wurden in der Phase der Klassenteilung viele Mails geschrieben und Infos ausgetauscht, die über das Schulische hinaus gingen. „Ich habe im Chat öfter als sonst die Frage gestellt: „Wie geht’s euch eigentlich?“, unterstrich Klassenlehrerin Dedert.


In mehreren Klassen der GOBS werden zurzeit einzelne Kinder aufgrund ihrer Vulnerabilität im Homeschooling unterrichtet. So auch die siebenjährige Lea Sophie Westermann, die seit ihrer Geburt aufgrund einer Muskelatrophie im Rollstuhl sitzt. Lea Sophie arbeitet zu Hause parallel zur Klasse im Präsenzunterricht den Stoffplan ab. Dabei wird sie von ihrer Integrationshelferin unterstützt. Zu festgelegten Zeiten werde das Mädchen per Tablet dazugeschaltet, berichtete Klassenlehrerin Anette Aubel. Mutter Sabrina Westermann bestätigte, dass das Distanzlernen grundsätzlich sehr gut funktioniere. Allerdings blieben die Kontakte auf der Strecke und darunter leide ihre Tochter beträchtlich. Leas älterer Bruder Jannik müsse zum Schutz der Schwester ebenfalls zu Hause bleiben, ergänzte die dreifache Mutter. Der Drittklässler zeige viel Einsicht in diese für ihn harte Maßnahme, denn auch er habe auch Angst um seine Schwester. „Lea Sophie freut sich jeden Tag auf das Skypen mit Frau Aubel und ihren Klassenkameraden“, berichtete Sabrina Westermann. Sie genieße aber auch die Ruhe zu Hause, in der ihr das Lernen gut gelänge.


Ein positives Resümee über die Entwicklung seit dem Frühjahrs-Lockdown zieht auch Nadine Bockelmann. Ihr Sohn Hannes wurde ebenfalls kürzlich in zweiwöchiger Quarantänezeit im Homeschooling unterrichtet. Sie erinnerte sich, dass Anfang des Jahres die Lern-Materialien den Eltern und Schülern noch am Klassenzimmer-Fenster übergeben wurden. Jetzt würden die Aufgaben per Mail verschickt. „Das E-Mail-Versenden haben die Kinder schon nach wenigen Tagen gelernt,“ sagte Nadine Bockelmann. Mittlerweile würden sich die Drittklässler gegenseitig Mails schreiben. „Die freuen sich wie Bolle, weil sie es allein können.“.


Die Antworten auf die Abschlussfrage nach den größten Herausforderungen des Hybridlernens und Homeschoolings waren am Ende des kurzweiligen Erfahrungsaustauschs schnell gefunden. Die Eltern, deren Kinder sich in Quarantäne befanden, kämpften vor allem damit, bei diesen die Laune hochzuhalten. Kompliziert sei es zudem gewesen, den Kindern die häufig wechselnden Regeln zu vermitteln.


Nadine Bockelmann beobachtete bei ihrer Tochter Emma, einer Siebtklässlerin: „Der menschliche Kontakt fehlte Emma sehr, da halfen auch die Videokonferenzen nicht. Und dann flossen auch mal die Tränen.“  Und Sabrina Westermann ergänzte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz einmal von meiner Tochter höre: Mama, ich will wieder in die Schule!“